Silvester Sylvester Aberglaube Bleigießen Glücksbringer Symbole Mittelalter Bedeutung Hufeisen Kleeblatt Symbol Deutung Schornsteinfeger Marienkäfer Ursprung Ring Geschichte Keltische Daumen Glückssymbol Marzipan Entstehung Kreuz Liebe Schwein Figuren Glaube Zukunft Glas Kindern Schokolade Farbe Ägypten Vierblättriges Kaminkehrer Glücksschweine Wetter Glücksschwein Beispiel Neujahr Schweine

2.2 Orakelbräuche

Der Jahresausklang ist eine besondere Zeit, in die Zukunft zu schauen. Man möchte gerne wissen, was einen im nächsten Jahr erwartet. Im Laufe der Geschichte haben sich daher zu Silvester einige Orakelbräuche herausgebildet. Aberglaube und der Glaube an die Zauberkraft mancher Dinge mag für die Entstehung solcher Bräuche ausschlaggebend gewesen sein.

Man kannte beispielsweise das Bibelstechen. Bei diesem Prophezeiungsspiel wurde in der Silvesternacht die Bibel seitlich mit dem Daumen geöffnet und dann blind auf eine Textstelle gezeigt. Sie sollte Aufschluß über das nächste Jahr geben.

Ein anderer Orakelbrauch war das sogenannte "Glücksgreifen". Dabei wurden aus Brotteig kleine Figuren hergestellt, die man unter Bechern verbarg und bestimmte Symbole darstellten. Nach dem Verschieben der Becher mußte der Kandidat aufdecken und seine Zukunft lesen. Wurde z. B. zuerst ein Ring als Symbol für die Ehe und dann ein Geldstück als Symbol für Nachwuchs aufgedeckt, so bedeutete dies zuerst Heirat und dann ein Baby. Die Reihenfolge hätte natürlich auch anders kommen können.

Der wohl bekannteste und am weitesten verbreitete Orakelbrauch zu Silvester ist das Bleigießen.

Originell ist auch das Gummibärchen-Orakel, das vor allem Kindern großen Spaß bereitet. Aus einer Tüte darf jeder mit geschlossenen Augen fünf Gummibären ziehen. Die jeweilige Farbe des Bärchens hat dann seine eigene Bedeutung. Rot steht zum Beispiel für Liebe, Gelb für Ehrgeiz und Reichtum, Grün für Vertrauen und Hoffnung usw. Letztendlich bleibt es jedoch jedem selbst überlassen, welche Deutung er in welche Farbe hineinlegt.

Wer Auskunft über das Wetter im neuen Jahr haben will, befragt das Zwiebelorakel. In zwölf Zwiebelschalen, die für die zwölf Monate stehen, wird Salz gestreut. Die Wetterlage eines Monats wird danach interpretiert, ob das Salz in der jeweiligen Schale trocken oder naß wird. Äpfel hingegen gelten als ungeeignet, da sie an die Vertreibung aus dem Paradies erinnern. Wie es mit der Liebe im neuen Jahr bestellt ist, kann man herausfinden, indem man einen Schuh rückwärts über die Schulter wirft. Zeigt die Schuhspitze zur Tür, so steht eine glückliche Beziehung ins Haus.

Wem das Silvester-Orakel nichts Gutes verheißt, hat die Möglichkeit, an seinem Schicksal noch ein wenig zu drehen. Eine einzige Drehung um die eigene Achse kann bewirken, daß sich ein böses Vorzeichen in ein gutes verwandelt.

Der Grund, warum das Finden eines Pfennigs Glück bringen soll, liegt in der Deutung, daß in allem Kleinen der Ursprung für etwas Großes liegt. Glückspfennig und Glücksgroschen bzw. seit 2004 auch Glückscent könnten ihre Wurzeln aber auch in dem Brauch der Römer haben, an Silvester den Göttern Münzen zu opfern.

Als glücksverheißend gilt auch ein vierblättriges Kleeblatt, allerdings nur, wenn es gefunden wurde, ohne danach zu suchen. Allein sein seltenes Vorkommen dürfte schon ein Grund sein, daß man ihm glücksbringende Kraft zuschreibt. Darüber hinaus kann in ihm das heilbringende Kreuz gesehen werden. Aber nicht nur das Kreuz als christliches Symbol, sondern auch das gleichschenklige, keltische Kreuz, das als starkes Schutzsymbol verwendet wurde, kann in ein vierblättriges Kleeblatt hineininterpretiert werden. Allgemein gilt das vierblättrige Kleeblatt als Weltensymbol, das die vier Himmelsrichtungen und die vier Elemente miteinander verbindet. Es soll als Glücksklee insbesondere Vorteile beim Spiel bringen und Schicksalsschläge verhindern. Ein vierblättriges Kleeblatt, das vor Antritt einer Reise in die Kleider eingenäht wird, soll unterwegs das Unglück abwenden. Schüler sollen bessere Leistungen bringen, wenn sie den Vierklee im Ranzen tragen. Auch das dreiblättrige Kleeblatt kann in einem speziellen Sinn Glück verheißen, wenn es von einer Frau verschenkt wird. Es deutet auf zu erwartenden Nachwuchs hin.

Während die symbolhafte Bedeutung des vierblättrigen Kleeblatts leicht nachzuvollziehen ist, fällt eine Erklärung für die Deutung des Fliegenpilzes als Glückssymbol schwerer. Er kommt weder selten vor, noch gilt er als kostbar. Vor allem aber ist er giftig und hat eine tödliche Wirkung. Bei den Germanen galt der Fliegenpilz jedoch als heilig. Möglicherweise hat seine Funktion als Glücksbringer ihren Ursprung in der Tatsache, daß er als Rauschmittel verwendet werden kann. 

Hufeisen werden ebenfalls als Glückszeichen interpretiert. Sie hängen vor allem über Türschwellen. Bei Seeleuten war es früher auch Brauch, ein Hufeisen an die Schiffsmasten zu nageln. In der Regel zeigt die offene Seite nach oben und der Bogen nach unten. Die geschlossene Seite nach unten soll verhindern, daß das Glück herausrinnen kann. Gemäß einer älteren Tradition kann das Hufeisen auch genau umgekehrt aufgehängt werden. In dieser Form stellt das Hufeisen das griechische Omega dar und versinnbildlicht damit den Übergang von der diesseitigen in die jenseitige Welt. An Silvester oder Neujahr verschenkt man in erster Linie Hufeisen aus Schokolade.

Als weitere Glücksbringer gelten Schornsteinfeger oder Kaminkehrer. Zum Silvesterbrauch gehört das Verschenken solcher Figuren aus Marzipan, Schokolade und verschiedenen anderen Materialien. Der nach oben ragende Schornstein bzw. Kamin verbindet zwei Welten, Erde und Himmel. Der Schornsteinfeger bzw. der Kaminfeger befreit den Weg nach oben, den Weg ins Ungewisse, von Ruß und Schmutz und sorgt für frischen Wind. Durch die Reinigung des Kamins bannte der Schornsteinfeger über Jahrhunderte aber auch die Gefahr von Bränden und galt schon allein deswegen als Glücksbote.

Schon sprichwörtlich ist das Glücksschwein als Glückssymbol. Glücksschweine gibt es aus Holz oder Porzellan, als Marzipanschweine oder in anderer Form. Das Schwein hatte schon in einigen antiken Kulturen wie z. B. im alten Ägypten oder Syrien eine besondere Bedeutung. Es galt als heilig und wurde den Göttern geopfert. Die Kelten verbanden mit dem Schwein das Jenseits. Daher dienten Schweine bei religiösen Feierlichkeiten als Speise. Von jeher galten zumindest in Europa Schweine als wichtige Fleisch- und Fettlieferanten. Ein Schwein zu haben bedeutete in früherer Zeit, in der ein üppiges Essen nicht zum Alltag gehörte, gut versorgt zu sein. Wohl auf diesem Hintergrund entstand die Redewendung "Schwein haben" im Sinne von "Glück haben". Die Wurzeln von Glücksschwein oder Neujahrsschwein könnten aber auch in einem alten Kartenspiel zu finden sein, bei dem das As ein Schwein war.

Ein anderer tierischer Glücksbringer ist der kleine rote Marienkäfer mit den schwarzen Punkten. Als solcher gilt er, seit er im Mittelalter der Gottesmutter geweiht worden ist, von der er auch seinen Namen hat. Unglück soll es hingegen bringen, wenn man dem Marienkäfer etwas antut oder ihn sogar tötet.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche andere Verhaltensweisen, die speziell zum Jahreswechsel zu vermeiden sind, weil sie Unsegen bringen sollen. Dazu gehört zum Beispiel das Essen von Geflügel an Silvester. Am Neujahrstag sollte man nicht zu spät aufstehen, weil einen sonst das ganze Jahr über schlechter Schlaf und schlechte Träume plagen. Wem es gar passiert, daß er sich am Neujahrstag verkehrt herum anzieht, bei dem soll es das ganze Jahr verkehrt zugehen. Zwischen Heiligabend und Neujahr sollen keine langen Wäschestücke wie Bettbezüge, Laken oder Tischdecken gewaschen bzw. zum Trocknen rausgehängt werden, damit sich niemand daran aufhängt. 

Im Braunschweiger Land durfte noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts an Silvester und den Tagen davor nicht gesponnen werden, da sonst der Flachs im neuen Jahr nicht wachsen würde. Solche und ähnliche abergläubischen Vorstellungen haben ihren Ursprung wohl in dem heidnisch-germanischen Glauben, daß in den Rauhnächten die Sonne stillstand und damit auch alles auf der Erde stillstehen mußte, wollte man nicht den Zorn der Götter auf sich herabrufen. Wer diesem Aberglaube auch in späterer Zeit noch nachhing, durfte vor allem keine Tätigkeiten ausüben, bei denen es rundum lief. So galten neben der Betätigung des Spinnrads unter anderem auch das Fahren mit Pferdewagen oder Schubkarren, das Dreschen und das Nähen als gefährlich. Selbst Müller scheuten sich, ihre Mühlräder mahlen zu lassen.

Zu Silvester gehört nun einmal das feucht-fröhliche Feiern. Mit dem Anstoßen auf das neue Jahr sollten ursprünglich böse Geister und trübe Gedanken vertrieben werden. Manche sahen es als gutes Vorzeichen für das kommende Jahr an, wenn alle Hausbewohner aus dem gleichen Glas tranken und der Hausherr anschließend das leere Glas rückwärts über die Schulter vor die Haustür warf, wo es dann zersprang. Hat man dem Alkohol bei der Silvesterfeier zu sehr zusgesprochen, so soll ein Amethyst gegen den darauffolgenden Kater am Neujahrstag helfen. Ihm wird Schutz vor Trunkenheit und den Folgen zugeschrieben.

2.1 Silvesterfeuerwerk, Silvesterfeuer | 2.2 Orakelbräuche |
2.2.1 Bleigießen | 2.3 Silvestergruß, Neujahrsgruß, Neujahrskarte |
2.4 Weitere Silvesterbräuche und Neujahrsbräuche

1.0 Silvester, Neujahr – Ursprung, Geschichte und Bedeutung

3.0 Silvesteressen – Silvestergetränke

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Hauptseite

1.0 Silvester, Neujahr – Ursprung, Geschichte und Bedeutung

1.1 Grundlagen der Zeitrechnung

1.2 Silvester – Name und Bedeutung

1.2.1 Symbole, Fresken, Gebäude, germanischer Volksglauben

1.3 Geschichte des Neujahrsfestes

2.0 Silvesterbräuche – Neujahrsbräuche

2.1 Silvesterfeuerwerk – Silvesterfeuer

2.2 Orakelbräuche

2.2.1 Bleigießen

2.3 Silvestergruß, Neujahrsgruß, Neujahrskarte

2.4 Weitere Silvesterbräuche und Neujahrsbräuche

3.0 Silvesteressen – Silvestergetränke

3.1 Silvesteressen

3.1.1 Silvesterkarpfen

3.2 Silvestergetränke

3.2.1 Feuerzangenbowle

2.0 Silvesterbräuche – Neujahrsbräuche

 

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